Johanniskrautöl– Wirkung, Anwendung, Studie | Wo kaufen?

Viele Naturheilmittel und Nahrungsergänzungsprodukte tragen exotische Namen und kommen aus fernen Ländern. Doch auch hier bei uns wachsen fantastische Wildkräuter, die ein enormes Potential bergen. Dazu gehört das wunderschöne aber oft so unbeachtete Johanniskraut. Die leuchtend gelbe Pflanze wächst sehr gerne an den Rändern zwischen Feldern und Wegen. Insgesamt ist sie recht anspruchslos und lässt sich auch einfach im eigenen Garten anbauen. Ihre Kraft steckt in ihren Blüten, die von den so genannten „Öldrüsen“ gespickt ist. Neben seiner hohen Wirksamkeit, hat das Johanniskraut noch eine weitere, äußerst positive Eigenschaft: Es gehört zu den Ölen, das Sie am einfachsten zu Hause selbst herstellen können.

Anwendung und Wirkung für Haut und Haare

Johanniskrautöl ist stark entzündungshemmend, hat wundheilende Wirkungen und strafft die Haut. Damit ist es perfekt für die äußerliche Anwendung. Sie können es bei chronischen Krankheiten wie Akne oder Schuppenflechten ebenso gut verwenden, wie als Heilöl bei Abschürfungen oder Verbrennungen.

Johanniskrautöl ist ein potentes Mittel gegen die Bildung von Narben. Frühzeitig angewendet, kann es der Entstehung von auffälligen Narben vorbeugen. Die Heilung von Verletzungen geschieht wesentlich „geordneter“ und Wucherungen werden vermieden. Es eignet sich für die Erstversorgung von Wunden, solange es noch verwendbar ist. Johanniskrautöl wirkt „adstringierend“. Das bedeutet, dass es die Oberhaut zusammen ziehen lässt. Dies hat nicht nur einen straffenden Effekt, welcher der Entstehung von Falten vorbeugt. Es beugt auch Einblutungen vor und hilft, einen angeschlagenen Teint wieder herzustellen.

Irritationen der Talgdrüsen an der Kopfhaut werden durch diesen Effekt ebenfalls vermieden. Stark fettige Haare können so wieder in einen Normalzustand gebracht werden. Massieren Sie das Johanniskrautöl einfach ein und lassen Sie es dreißig Minuten wirken. Danach waschen Sie es aus und wiederholen diese Prozedur am Besten vor jeder Dusche. Fettiges Haar wird so wieder kräftig und gesund, ohne dabei auszutrocknen.

Johanniskrautöl wirkt gut zu Nachbehandlung von Sonnenbränden. Aber vorsicht: Als Sonnenöl für das Sonnenbad ist es nicht nur ungeeignet, es ist für diesen Zweck sogar im wahrsten Sinne des Wortes brandgefährlich!

Johanniskrautöl gibt ein gutes Massageöl. Es fördert die Durchblutung der Muskeln und lockert so Spannungen auf. Es lindert Schmerzen und hindert Entzündungen bereits bei der Entstehung. Sie können es daher hervorragend bei eingeklemmten Nerven wie dem berühmten „Hexenschuss“ einsetzen. Seine schmerzlindernde Wirkung für Muskeln und Nerven ist so stark, dass Johanniskrautöl auch als „Arnika für die Nerven“ genannt wird.

Schließlich eignet sich das Johanniskrautöl bei Verbrennungen und Verbrühungen als Mittel der Erstversorgung.

Nebenwirkungen und Risiken 

 

Wie bei jedem potenten Naturheilmittel gibt es auch beim Johanniskrautöl einige Kontraindikationen. Grundsätzlich gilt: Johanniskrautöl macht die Haut äußerst sensibel gegen Sonnenlicht. Vor einem Sonnenbad aufgetragen kann das Johanniskrautöl in kurzer Zeit für schwere Verbrennungen sorgen. Darum: Gehen Sie niemals nach einer Massage mit Johanniskrautöl auf die Sonnenbank! Behandeln Sie auch keine Kinder mit Johanniskrautöl und lassen Sie sie anschließend draußen spielen!

Umgekehrt eignet sich Johannsikrautöl aber hervorragend für die Behandlung von einem Sonnenbrand. Es kühlt und heilt die Stelle schnell und nachhaltig. Nur gilt auch hier: Sobald Sie das Öl angwendet haben, darf die behandelte Person für den Rest des Tages nicht mehr an die Sonne. Sonst verschlimmern Sie den Sonnenbrand nur erheblich.

Wenn Sie Johanniskrautöl einnehmen wollen, achten Sie bitte auf folgende Hinweise: Johanniskrautöl wirkt anregend für den Kreislauf und den Stoffwechsel. Es kann die Wirkung von Medikamenten verstärken, abschwächen oder sogar ganz blockieren. Vor allem die Verhütungspille wird von Johanniskrautöl praktisch unwirksam gemacht. Ungeeignet ist Johanniskrautöl für Personen mit Bluthochdruck oder die Blutverdünner benötigen.

Dosierung 

Solange Sie sich an die Regel halten, nach der äußerlichen Behandlung mit Johanniskrautöl nicht mehr an die Sonne zu gehen, können Sie dieses Naturheilmittel praktisch nicht überdosieren. Da es sehr preiswert ist, vor allem wenn Sie es selbst herstellen, können Sie ruhig großzügig damit arbeiten.

Öl ist als orales Therapeutikum stets nie so ganz optimal. Viele Menschen reagieren mit Übelkeit darauf, wenn Sie Öl per Teelöffel einnehmen sollen. Die empfohlene Tagesdosierung liegt bei der oralen Einnahme bei 3 x 1 Teelöffel pro Tag. Wie gesagt, die pure Einnahme kann für mache Personen problematisch sein. In diesem Fall können Sie das Öl auf ein Stück Weißbrot träufeln oder mit einem Getränk vermischen. Alternativ dazu gibt es Johanniskrautöl auch in praktischen Kapseln. Falls Sie schwanger sind, halten Sie aber vorher mit Ihrem Arzt Rücksprache. Johanniskrautöl ist zwar gerade für Schwangere ein hoch wirksames Mittel gegen die Schwangerschaftsdepression. Dennoch kann es für den weiteren Verlauf der Geburt nicht ganz unproblematisch sein.

Einnahme 

Die orale Einnahme ist von Johanniskrautöl ist empfohlen bei folgenden Indikationen:

  • Leichte bis mittelschwere Depressionen
  • Darmträgheit
  • Leberbeschwerden
  • Magenschmerzen
  • Nervenleiden und innere Unruhe.

Bei allen diesen Leiden ist die benannte tägliche Dosis von 3 x 1 Teelöffel optimal.

Johanniskrautöl in der Schwangerschaft 

Grundsätzlich spricht nichts gegen die Einnahme von Johanniskrautöl währen der Schwangerschaft. Viele werdende Mütter verwenden es zur Bekämpfung der Schwangerschaftsdepression. Äußerlich aufgetragen, verhindert es die Bildung von Schwangerschaftsstreifen. Dennoch sollten Sie die orale Einnahme stets mit einem Arzt absprechen. Als Maximaldosis gelten 2 Esslöffel am Tag. Wir raten aber dazu, die Dosis grundsätzlich nur langsam zu steigern und die Wirkung abzuwarten.

 

Geeignet für Babys?

Die Haut von Babys ist sehr empfindlich. Da kann das Johanniskraut zu aggressiv sein. Es wird von der Verwendung von Johanniskrautöl bei Babys abgeraten. Wissenschaftliche Studien dazu gibt es nicht, aber bei der großen Auswahl an Baby-Pflegeprodukten besteht auch kein Grund, warum es unbedingt das Johanniskrautöl sein soll.

Lagerung 

Reines Johanniskrautöl ist extrem teuer. Es wird mittels Dampfdestillation gewonnen, wozu sehr große Mengen an Blüten verarbeitet werden müssen. Das reine Johanniskrautöl ist zwar ganz besonders potent – für normale Anwendungen ist es aber vielen Anwendern auch viel zu stark. Das normalen Herstellungsverfahren für ein Johanniskrautöl besteht darin, es mit einem Trägeröl und Wärme aus den Öldrüsen der Blüten heraus zu lösen. An einem kühlen und dunklen Ort gelagert hält sich das Öl ca. 2 Jahre. Dabei müssen Sie aber darauf achten, dass die Flasche stets gut verschlossen ist. Kontakt mit Sauerstoff lässt das Öl schnell verderben und ranzig werden. Wenn es muffig oder ranzig riecht, können Sie es nur noch entsorgen.

Johanniskrautöl selbst herstellen

Das Johanniskraut eignet sich ganz hervorragend dazu, mit dem wundervollen Hobby der Ölherstellung zu beginnen. Die Zubereitung ist wirklich sehr einfach und macht großen Spaß. Sie brauchen:

  • Ein sauberes, verschließbares Glasgefäß
  • Ein Trägeröl
  • Eine Schüssel Johanniskraut
  • Viel Zeit (ca. 6 Wochen)
  • Ein Sieb
  • Saubere, verschließbare Glasflasche

Schwenken Sie das Glasgefäß mit heißem Wasser aus, damit es auch definitiv sterilisiert und keimfrei ist. Als Trägeröl haben Sie die freie Auswahl bei allen pflanzlichen Kernölen. Wenn Sie das Johanniskrautöl später einnehmen wollen, können Sie jetzt bereits geschmackliche Akzente setzen. Hierzu eignet sich Walnussöl oder Olivenöl. Falls Sie eine neutrale Note bevorzugen, verwenden Sie Sonneblumenöl oder Sesamöl.

Besorgen Sie sich alle Gerätschaften und Grundzutaten, bevor Sie das Johanniskraut ernten. Es ist sehr wichtig, dass das Kraut am gleichen Tag verarbeitet wird, an dem Sie es gepflückt haben. Geerntetes Johanniskraut neigt dazu, sehr schnell zu verfaulen. Aber keine Angst, konserviert im Öl kann nichts passieren.

Sie erkennen Johanniskraut recht einfach, indem Sie die Blüten gegen das Licht halten. Wenn sich dort im leuchtenden Gelb der Blüte zahlreiche Pünktchen deutlich sichtbar abgrenzen, handelt es sich um Johanniskraut. Ein weiterer Test besteht darin, die Blüten zwischen den Fingern zu zerreiben. Der Saft ist leuchtend rot.

Obwohl es die Blüten sind, die das meiste Öl enthalten, müssen Sie sie nicht mühselig abpflücken. Sie können den ganzen Blütenstängel für das Öl verwenden. Schneiden Sie die Blütenstängel ab und waschen Sie sie gründlich aus. Noch ein Tipp: Lassen Sie die Stängel 2-3 Stunden in der Sonne auf einem sauberen Tuch liegen. Dann sind auch alle kleinen Insekten heraus geflüchtet.

Nun geben Sie die gewaschenen, frischen Stängel in das saubere Glas. Einmachgläser oder Gurkengläser sind besonders gut geeignet, da Sie sie luftdicht verschließen können. Füllen Sie nun das Glas randvoll mit dem gewünschten Trägeröl. Mit der Füllung vermeiden Sie, dass die eingeschlossenen Luft das Öl oxidieren und damit verderben kann. Verschließen Sie das Glas.

Der nächste Schritt klingt etwas ungewöhnlich aber gehört zur Herstellung von Johanniskrautöl dazu: Das Öl muss jetzt sechs Wochen lang in der Sonne stehen. Das ist erforderlich, damit die Wärme und das Licht das Öl aus den Stängeln heraus treibt. Das Johanniskrautöl ist fertig, wenn es eine tief rote Farbe angenommen hat. Nun seien Sie das Öl ab. Die Stängel können Sie nun im Kompost oder Biomüll entsorgen. Das Öl gießen Sie in eine saubere, verschließbare Glasflasche ab. Ideal sind dunkel gefärbte Flaschen. Ab jetzt muss Ihr frisches Johanniskrautöl ebenso vor Sonnenlicht geschützt werden, wie jedes andere Öl auch. Falls Sie aber das Öl im Schrank aufbewahren, können Sie auch eine klare Glasflasche verwenden.

TIPP: Selbst gemachtes Johanniskrautöl ist ein fantastisches Geschenk. Es bekommt eine ganz besondere Note, wenn Sie das Öl in ansprechenden, formschönen Flaschen abfüllen. Im Internet gibt es einige Spezialhändler mit einer großen Auswahl an sehr schönen Flaschen, die sich perfekt für Ihr selbst gemachtes Öl eignen.

Aufgrund seiner antibiotischen Eigenschaften ist das Johanniskrautöl bis zu zwei Jahre haltbar. Wichtig ist, dass es stets luftdicht verpackt ist und nicht direkt in der Sonne steht. Bei längerem Nichtgebrauch sollten Sie stets eine Geruchsprobe machen, bevor Sie das Öl verwenden wollen.

Was ist Johanniskrautöl?

Johanniskrautöl ist das Öl der Johanniskrautpflanze. Es bildet sich vorwiegend in den Blüten. Die Öldrüsen sind darin als kleine, schwarze Punkte sichtbar. Das Johanniskraut ist eine mehrjährige, kleine, krautartige Pflanze. Sie bevorzugt trockene Böden und Wärme. Die Blühzeit ist von Juni bis August. Johanniskraut eignet sich auch als Garten- und Zierpflanze. Sie ist sehr leicht anzubauen und sie ist sogar winterhart. Das Öl wird entweder durch Dampfdestillation gewonnen oder es wird mit Hilfe eines Trägeröls aus der Pflanze heraus gelöst.

Johanniskrautöl kaufen

Wo kann man Johanniskrautöl kaufen?

Johanniskrautöl können Sie in Drogerien und Reformhäusern kaufen. Auch auf Wochenmärkten findet man immer öfter Stände von Start-ups, die sich auf die Herstellung von Öl spezialisiert haben. Das Öl ist sehr einfach herzustellen und eignet sich auch als Projekt für ein kleines, eigenes Hobby.

 

Auf was muss man beim Kauf achten?

Ideales Johanniskrautöl ist 100% naturrein und in Bio-Qualität. Es muss aber nicht unbedingt das sehr teure Destillat sein. Auch professionelle Hersteller arbeiten mit dem Trägeröl-Verfahren. Das ist dann auf der Verpackung angegeben. Achten Sie darauf, welches Trägeröl verwendet wurde, falls Sie bestimmte Ölsorten nicht vertragen.

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Herbert Havera ist Autor und beschäftigt sich schon seit mehreren Jahren mit der Thematik Ernährung/ Gesundheit. In seiner Recherche sind mehrere Stunden an Arbeit geflossen bzw. stehen wir generell im engen Kontakt mit Forschungseinrichtungen, Mediziner und Anwendern. Dank der wertvollen Informationen aus unserem Netzwerk, sind wir in der Lage stets fundierte Informationen rund um Heilmittel bieten, die uns die Natur freiwillig anbietet. Der enorme Vorteil von Naturheilmitteln ist, dass sie meistens frei von Nebenwirkungen sind. Dennoch dürfen sie nicht hemmungslos konsumiert werden. Wir klären Sie darüber auf, welche Tagesdosis unbedenklich, ideal und nicht mehr gesund ist. Denn wie Paracelsus schon sagte: „Nichts ist Gift, alles ist Gift – alleine die Dosis macht das Gift“.  Wir bieten Ihnen Informationen stets nach einer fundierten Recherche. Wir forschen intensiv nach den neuesten Studien, in denen sich die Naturheilmittel unter strengen Tests bewähren mussten. Und wo sich ein angepriesenes Mittel nachweislich als Mummenschanz und Quacksalberei entpuppt hat, lassen wir Sie das ebenfalls wissen. 

Quellenangabe

 Linde K, Berner MM, Kriston L: St John’s wort for major depression. In: „The Cochrane Library“, Database of Systematic Reviews. Nr. 4, 8. Oktober 2008, S. CD000448. doi:10.1002/14651858.CD000448.pub3. PMID 18843608. However, findings were more favourable to St. John’s wort extracts in studies form German-speaking countries where these products have a long tradition and are often prescribed by physicians, while in studies from other countries St. John’s wort extracts seemed less effective. This differences could be due to the inclusion of patients with slightly different types of depression, but it cannot be ruled out that some smaller studies from German-speaking countries were flawed and reported overoptimistic results.

K. Linde, L. Kriston, G. Rücker, S. Jamil, I. Schumann, K. Meissner, K. Sigterman, A. Schneider: Efficacy and acceptability of pharmacological treatments for depressive disorders in primary care: systematic review and network meta-analysis. In: Annals of family medicine. Band 13, Nummer 1, 2015 Jan-Feb, S. 69–79, doi:10.1370/afm.1687, PMID 25583895, PMC 4291268 (freier Volltext) (Review).

Avoxa Mediengruppe Deutscher Apotheker GmbH: Metaanalyse: Johanniskraut wirksam bei Depressionen. (pharmazeutische-zeitung.de [abgerufen am 10. Februar 2019]).

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: Leitliniensynopse zum Thema „Depression“. IQWiG-Berichte – Jahr: 2009 Nr. 34, S. 121.

IQWiG-Gesundheitsinformation: Können Mittel aus Johanniskraut helfen?  [abgerufen am 10. Februar 2019]).

S. Kasper et al.: Efficacy of St. John’s wort extract WS 5570 in acute treatment of mild depression: a reanalysis of data from controlled clinical trials. In: European Archives of Psychiatry and Clinical Neuroscience. Volume 258, Issue 1, 2008, S. 59–63. PMID 18084790.

Wolfgang P. Kaschka, Rolf Kretzschmar, Martin Jandl: Psychopharmaka kompakt (Klinik- und Praxis-Guide). Schattauer Verlag, 2008, ISBN 978-3-7945-2591-1, S. 77.

Walter E. Muller: St. John’s Wort and its active principles in depression and anxiety. 1. Auflage. Birkhäuser, 2005, ISBN 3-7643-6160-3, S. 34.

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